Gesunde Ernährung klingt manchmal wie ein Vollzeitjob:

Genug Eiweiß. Nicht zu viele Kohlenhydrate. Aber bitte auch nicht zu wenig.

Gesunde Fette. Ballaststoffe. Mikronährstoffe. Kein Zucker. Oder zumindest möglichst wenig. Frisch kochen. Bio kaufen. Meal Prep. Viel trinken.

Und natürlich alles möglichst unverarbeitet.


Kein Wunder, dass irgendwann die Frage entsteht:


„Was darf ich eigentlich noch essen?“


Dabei sollte Ernährung genau das Gegenteil bewirken. Sie sollte dein Leben nicht komplizierter machen. Sie sollte dich versorgen und zu deinem Leben passen.




Gesund essen bedeutet nicht perfekt essen


Vielleicht kennst du diese Einteilung:

Heute habe ich "gut“ gegessen. Oder: Heute habe ich "schlecht“ gegessen.


Salat? Gut. Schokolade? Schlecht. Vollkornbrot? Gut. Pizza? Schlecht.


Doch dein Körper bewertet eine einzelne Mahlzeit nicht nach diesem System.

Entscheidend ist vielmehr, wie deine Ernährung insgesamt aussieht.

Ein Stück Kuchen macht deine Ernährung nicht ungesund. Genauso wie ein Salat sie nicht automatisch gesund macht. Es geht um das, was du die meiste Zeit tust. Nicht um eine einzelne Mahlzeit.




Hör auf, Lebensmittel moralisch zu bewerten


Das klingt zunächst vielleicht etwas seltsam. Aber achte einmal darauf, wie häufig wir Essen mit moralischen Begriffen verbinden.


„Heute war ich brav.“


„Das habe ich mir verdient.“


„Heute habe ich gesündigt.“


„Morgen muss ich mich wieder zusammenreißen.“


Plötzlich ist Essen nicht mehr einfach Essen. Es wird zu einer Bewertung unserer selbst. Aber du bist kein besserer Mensch, weil du Brokkoli isst. Und du bist kein schlechterer Mensch, weil du Pizza gegessen hast.


Natürlich unterscheiden sich Lebensmittel darin, welche Nährstoffe und wie viel Energie sie liefern. Das dürfen wir wissen. Aber aus einem ernährungsphysiologischen Unterschied muss keine moralische Bewertung werden.

Ausgewogene Mahlzeit mit Lachs, Kartoffeln, Gemüse und Salat als Beispiel für einfache gesunde Ernährung

Was braucht eine gute Mahlzeit eigentlich?


Wir können Ernährung unglaublich kompliziert machen. Oder wir können uns bei einer Mahlzeit zunächst ein paar einfache Fragen stellen:


Wo ist meine Eiweißquelle?

Zum Beispiel Eier, Joghurt, Quark, Fisch, Fleisch, Tofu, Hülsenfrüchte oder andere proteinreiche Lebensmittel.


Wo kommen Ballaststoffe und Mikronährstoffe her?

Zum Beispiel aus Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten oder Vollkornprodukten.


Welche Kohlenhydratquelle passt dazu?

Kartoffeln. Reis. Nudeln. Brot. Haferflocken. Oder etwas anderes, das du gerne isst.


Und woher kommen die Fette?

Vielleicht aus Öl. Nüssen. Samen. Avocado. Fisch. Käse. Oder bereits aus anderen Bestandteilen deiner Mahlzeit.


Nicht jede Mahlzeit muss jede dieser Komponenten perfekt enthalten.

Aber dieses einfache Grundgerüst kann dir Orientierung geben, ohne dass du dafür eine App brauchst.




Kohlenhydrate sind nicht dein Feind


Kaum ein Nährstoff wurde in den vergangenen Jahren so häufig zum Problem erklärt wie Kohlenhydrate. Brot macht dick. Nudeln machen dick. Kartoffeln machen dick. Abends darf man sowieso keine Kohlenhydrate essen. So einfach funktioniert unser Körper nicht.


Kohlenhydrate liefern Energie und können selbstverständlich Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Gerade wenn du körperlich aktiv bist oder trainierst, sind sie eine wertvolle Energiequelle. Ob du langfristig Körperfett aufbaust oder verlierst, entscheidet nicht die Tatsache, dass du abends Kartoffeln gegessen hast. Entscheidend ist deine Ernährung als Ganzes und langfristig auch deine Energiebilanz.




Auch Fett gehört auf deinen Teller


Nach den Kohlenhydraten trifft es häufig die Fette. Dabei benötigt unser Körper Fett unter anderem als Bestandteil von Zellmembranen, zur Aufnahme fettlöslicher Vitamine, zur Hormonregulierung und als Energieträger. Es geht deshalb nicht darum, Fett möglichst vollständig aus der Ernährung zu entfernen.


Allerdings liefert Fett pro Gramm relativ viel Energie. Das bedeutet:

Öl. Nüsse. Nussmus. Käse. Avocado. All das kann hervorragend in eine ausgewogene Ernährung passen. Aber auch Lebensmittel, die wir als "gesund“ betrachten, sind nicht automatisch unbegrenzt. Gesund bedeutet nicht kalorienfrei. Und kalorienreich bedeutet wiederum nicht verboten.




Eiweiß darf etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen


Gerade wenn du Krafttraining machst, Muskulatur erhalten oder aufbauen möchtest, spielt Eiweiß eine wichtige Rolle. Eiweiß unterstützt unter anderem den Erhalt und Aufbau von Muskelgewebe und trägt zur Sättigung bei.


Das bedeutet aber nicht, dass du von morgens bis abends Proteinshakes trinken musst. Oft hilft schon eine einfache Frage:


„Habe ich in meinen Mahlzeiten überhaupt eine erkennbare Eiweißquelle?“


Wenn die Antwort regelmäßig Nein lautet, kannst du dort ansetzen.

Nicht perfekt. Nicht grammgenau. Einfach bewusster.




Muss ich jetzt jede Mahlzeit nach einem Bauplan essen?


Nein. Bitte nicht. Denn sonst haben wir aus der Kalorien-App einfach nur die nächste Regel gebaut. Manchmal besteht dein Frühstück aus Joghurt, Obst und Haferflocken. Manchmal aus einem Croissant und Cappuccino. Manchmal gibt es mittags eine ausgewogene Bowl. Und manchmal sitzt du mit Freunden beim Italiener und möchtest Pizza. Das alles darf in derselben Ernährung existieren.


Eine gute Ernährung muss nicht bei jedem Restaurantbesuch pausieren.

Sie muss gerade dort funktionieren, wo dein echtes Leben stattfindet.




Was ist mit Süßigkeiten?


Auch sie dürfen Teil deiner Ernährung sein.

Und manchmal passiert etwas Interessantes, wenn Lebensmittel nicht mehr ständig verboten sind: Sie verlieren einen Teil ihrer Macht.


Wenn Schokolade jederzeit erlaubt ist, musst du nicht heute noch die ganze Tafel essen, weil du "ab morgen wieder streng bist“. Du kannst lernen:


„Ich darf das morgen auch noch essen.“


Das klingt banal. Für jemanden, der jahrelang zwischen Diät und Kontrollverlust gewechselt hat, kann dieser Gedanke aber enorm viel verändern.

Erlaubnis bedeutet nicht automatisch Maßlosigkeit. Sie kann überhaupt erst die Voraussetzung dafür schaffen, bewusst entscheiden zu können.

Zwei Frauen genießen gemeinsam Kaffee und Kuchen – gesunde Ernährung ohne Verbote und Verzicht

Genuss gehört zu gesunder Ernährung


Essen hat nicht nur die langweilige Aufgabe, Nährstoffe in deinen Körper zu transportieren. Essen ist so viel mehr: Familie. Freundschaft. Kultur. Erinnerung. Geburtstag. Urlaub. Weihnachten.


Der Kaffee mit einer Freundin. Das Eis mit deinem Kind. Und ja, auch die Pizza auf dem Sofa. Warum nicht?


Wenn deine Definition von gesunder Ernährung all diese schönen Dinge ausschließt, dann ist sie vielleicht theoretisch perfekt. Aber ehrlich? Sie passt nicht wirklich zu einem echten, lebendigen Leben.




Übrigens: Die 80/20-Regel brauchst du auch gar nicht


Du hast wahrscheinlich schon mal gehört:


„Iss zu 80 Prozent gesund und zu 20 Prozent darfst du sündigen.“


Ich verstehe den Gedanken dahinter. Aber selbst daraus kann wieder eine Regel entstehen. Muss ich jetzt ausrechnen, ob mein Kuchen noch in die 20 Prozent passt? Und was passiert, wenn es diese Woche 25 Prozent waren?


Du brauchst keine mathematisch perfekte Aufteilung. Es reicht zu verstehen:

Die Basis deiner Ernährung sollte dich gut versorgen. Und innerhalb dieser Basis darf Platz für Genuss sein. Wie dieser Platz konkret aussieht, darf von Woche zu Woche unterschiedlich sein.




Einfach bedeutet nicht beliebig


Das ist mir wichtig. Keine Verbote zu haben bedeutet nicht, dass es ernährungsphysiologisch vollkommen egal ist, was du isst. Natürlich macht es einen Unterschied, ob deine Ernährung überwiegend aus nährstoffreichen Lebensmitteln besteht oder hauptsächlich aus Süßigkeiten, Alkohol und stark verarbeiteten Snacks.


Natürlich spielen Portionsgrößen eine Rolle. Natürlich spielt die Energiebilanz eine Rolle, wenn du abnehmen möchtest. Und natürlich braucht dein Körper bestimmte Nährstoffe. Entspannt essen bedeutet nicht, Ernährung unwichtig zu finden. Es bedeutet, dieses Wissen zu nutzen, ohne daraus ein Gefängnis aus Regeln zu bauen.




Eine einfache Frage für deinen Alltag


Wenn du vor einer Mahlzeit stehst, musst du nicht zuerst überlegen:


„Ist das erlaubt?“


Frag dich lieber:


„Was würde mir jetzt guttun und mich gut versorgen?“


Manchmal ist die Antwort ein großer Salat mit Kartoffeln und Lachs.

Manchmal Pasta. Manchmal Brot mit Ei. Manchmal eine Suppe. Und manchmal Kuchen mit deiner Freundin.


Je besser du deinen Körper und deine Bedürfnisse kennenlernst, desto weniger brauchst du starre Vorgaben dafür.




Das Wichtigste zum Schluss


Gesunde Ernährung muss nicht perfekt sein. Sie muss auch nicht jeden Tag gleich aussehen. Und sie sollte dich nicht ständig darüber nachdenken lassen, ob du gerade etwas richtig oder falsch machst. Du darfst wissen, was dein Körper braucht. Du darfst auf Eiweiß achten. Auf Gemüse und Obst.

Auf Ballaststoffe. Auf Portionsgrößen. Auf deine Energiebilanz, wenn du ein bestimmtes Ziel verfolgst. Und gleichzeitig darfst du essen, weil etwas einfach gut schmeckt.


Wissen und Genuss schließen sich nicht aus.

Genau darin liegt für mich langfristig das Ziel: Nicht nach einem Ernährungsplan zu leben. Nicht jede Mahlzeit zu tracken. Und auch nicht blind jedem spontanen Essimpuls zu folgen. Sondern deinen Körper, deine Ernährung und deine Gewohnheiten so gut zu verstehen, dass du zunehmend selbst entscheiden kannst.


Nicht perfekt essen. Sondern so, dass es zu deinem Körper, deinem Ziel und deinem Leben passt.




Herzlichst,

Deine Branca